Nochmal 500km Europa

Die Strecke Makat – Aktöbe hätten wir uns wohl noch durchgekämpft; nachdem wir aber erfahren haben, daß Aktöbe – Aral – KysilOrda genauso schlimm sein soll, sind wir nach Atyrau zurückgefahren, haben den kaputten Reifen reparieren lassen und weitere Erkundigungen eingezogen. Jetzt fahren wir weitere 500km in Europa am rechten Ufer des Ural(-Flusses) nach Oral (Орал). Die Kaspische Senke verlassen wir damit endgültig.

Reifendienst

Reifendienst wirbt

Eine größere Umplanung mit über 1000km Umweg wird fällig. Die Alternative über Beyneu entlang der Bahnstrecke nach Nukus in Usbekistan (sozusagen die „Direttissima”) trauen wir uns nicht mehr zu versuchen; die Auskünfte schwankten zwischen „gut möglich” bis „völlig unmöglich”.

Alles zurück!

Von unserem letzten Lagerplatz, der immer noch 20m unter NN lag, sind wir weiter Richtung Aktöbe (Ақтөбе, russisch = Aktjubinsk/Актюбинск) gefahren. Auf einer hervorragenden neuen Straße kamen wir schnell bis Dossor, danach auf verzogenem Asphalt bis Makat.

Hier erwiesen sich unsere Auskünfte über den Straßenzustand als falsch (oder als mißverstanden). Die Weiterfahrt begann auf einer schlechten Staubstraße, auf der Hanno nach wenigen Kilometern einen Platten hatte. Wir befragten 2 der wenigen vorbeikommenden LKW-Fahrer und entnahmen den Antworten, daß wir bis Aktöbe auf dieser Straße rund 3 Tage brauchen würden.

Platten flicken

Hanno hatte nach wenigen Kilometern den ersten Platten

Stattdessen sollten wir lieber zurück über Atyrau, Oral (Uralsk) nach Aktöbe fahren. Auch für die Weiterfahrt wurde uns zu einer Streckenänderung geraten; dazu später mehr. LKW-Fahrer auf Fernstrecken scheinen die einzigen ernstzunehmenden Informationsquellen zu sein.

Am Kaspischen Meer entlang…

Vom letzten Lagerplatz sind wir auf schlechter Straße nach Atyrau (Атырау) gefahren, um nach Fähren über das Kaspische Meer Ausschau zu halten. Leider ist nur der Flußhafen in der Stadt; der Seehafen ist sehr weit weg.

Straße

schlechte Straße

Der Ural-Fluß gilt als Grenze zwischen Europa und Asien, die wir 3mal überquert haben. Unterwegs sahen wir freilaufende Kamele (Trampeltiere), Pferde und Rinder.

Von Atyrau rissen wir noch etwa 50km Richtung Aktöbe (Ақтөбе) runter. Die Straße soll neu und gut sein. Vor 2 Jahren wurde noch der mindestens 500km längere Umweg über Oral (Uralsk) empfohlen.

Nachtlager

Nachtlager

In Kasachstan…

Vom letzten Lager sind wir nach Astrachan (Астрахань) gefahren, haben die vielen Wolgaarme überquert (eine der Brücken war sogar eine mautpflichtige Pontonbrücke) und sind Richtung Atyrau weiterfahren. Die russisch-kasachische Grenze haben wir vor Sonnenuntergang überquert.

Für die Autos mußten wir noch kasachische Haftpflichtversicherungen abschließen; SIM-Karten waren – im Gegensatz zu Rußland – leicht zu bekommen. In der Abenddämmerung haben wir noch ein Nachtlager in Grenznähe aufgeschlagen. Die Straße ist zu schlecht, um bei Dunkelheit zu fahren.

Rußland-Durchreise

Gestern haben wir noch in einem großen Supermarkt in Wolgograd unsere Vorräte ergänzt. Dabei fiel das Preisniveau in solchen Läden auf, das teils über, teils unter dem von München liegt. Sicher nur für einen kleinen Teil der städtischen Bevölkerung erschwinglich. Die Landbevölkerung und Kleinstädter kauft überwiegend in Kramerläden („Warenmagazin”) – soweit sie nicht Selbstversorger sind.

Supermarkt

Supermarkt in Wolgograd

Der Verkehr in und um die Großstädte ist sehr dicht; man kommt nur langsam vorwärts. Auf halbem Weg nach Astrachan entlang der Fernstraße M6 haben wir übernachtet.

Regenbogen

Regenbogen über der Steppe

Wolgograd

Wir besuchen gerade das Stalingrad-Denkmal. Auf dem weitläufigen Gelände haben wir uns verloren und suchen uns gegenseitig.

Vorher gab es etwas Frust, weil es ohne Aufenthaltsregistrierung keine russische SIM-Karte zu kaufen gab. Die hatten wir aber nicht, weil wir 2mal kampiert hatten.

Übernachtung zwischen Don und Wolga

Nach einer „kurzen Nacht” hinter der russischen Grenze sind wir bis Schachty (Шахты) gefahren, die M04 ein Stück Richtung Moskau und dann Richtung Wolgograd (Волгоград).

Jetzt übernachten wir in einem Waldstück zwischen Don und Wolga.

Gemeinsames Nachtlager in Rußland

Nach dem etwa 3stündigen Grenzübertritt bei Nowoschachtinsk (Новошахтинск) auf der M03/M19 haben die ab jetzt vereinten Startgruppen noch der M19 in dichtbesiedeltem Gebiet auf einem abgeernteten Acker ihr Nachtlager aufgeschlagen.

Lager

Der Photograph ist aufgestanden, die anderen schlafen noch

Nach gründlichem Ausschlafen wollen wir nach Wolgograd weiterfahren.

2. Gruppe hat erste eingeholt

Am Kilometer 849 auf der M-03 trafen die beiden Gruppen zusammen. Die 2. Gruppe ist über Dnjepropetrowsk (Дніпропетровськ) gefahren.

Jetzt stehen wir gemeinsam an der ukrainisch-russischen Grenze und hoffen, noch bei Tageslicht durchzukommen.

Eine Nacht im Freien

Lange habe ich nicht mehr unter freiem Himmel geschlafen. Die letzte Nacht war ein Erlebnis:
die Milchstraße über mir, lichtschwache Sterne in großer Zahl sichtbar, kaum Lichtverschmutzung, Unmengen an Sternschnuppen. Überwiegend herrschte Stille, die wenigen Fahrzeuge auf der 1km entfernten Fernstraße M-03 waren allerdings in dieser Stille kilometerweit zu hören.

Der Preis: starker Tau – alles naß.